Der Spargel

Ich bin ein wirkliches Edelgemüse, das schon die alten Ägypter vor 5000 Jahren gekannt haben sollen. Das vermutet man jedenfalls, weil an Grabwänden Abbildungen mit gebündelten Spargeln entdeckt worden sind. Sicher ist, dass der griechische Arzt Hippokrates von Kos, der um 400 vor Christus lebte, mich vor allem wegen der blutreinigenden und harntreibenden Wirkung schätzte. Die Römer sollen meine Vorfahren erstmals kultiviert und in Gärten angepflanz haben. Die Anleitung schrieb Marcus Portius Catro um 200 vor Christus. Und weil die Römer auch in der Nachbarschaft der Insel Reichenau, etwa auf den Höhenzügen des Hegaus, ihre Gutshöfe errichteten, muss ich so oder so ähnlich nach Germanien gekommen sein. In historischen Kräuterbüchern verehrte man mich als Heilmittel und pflanzte mich deswegen auch in den Kräutergärten der Klöster an. 

Heute gibt es von mir fast 300 Sorten. Am bekanntesten bin ich allerdings als weiße und grüne Stange. Wobei ich in jeder Küche für meine heilende Wirkung und meinem Aussehen geschätzt werde. Ich bin gut für Herz und Nieren, bin harntreibend und reich Vitaminen A, C, B1, B2 und E. Ein Kilo Spargel hat, weil ich eben zu 90 Prozent aus Wasser bestehe, nur 180 Kalorien. 

Ich komme in vielen Variationen auf die Teller: gekocht, gebraten, gedünstet, selbst als Salat und Rohkost bin ich beliebt. Dann gesellen sich lediglich noch meine Freunde, die Zitrone und der Estragon, dazu. Am besten genießen Sie meine Aromen, wenn ich ohne viel Schnick-Schnack serviert werde.

In meiner Saison, die pünkltlich zum Johannistag, dem 24. Juni, endet, würde ich gerne so oft wie möglich in der Woche die Hauptrolle auf Ihrem Teller spielen. Wer mich schon morgens am Spargelstand oder im Lieblingshofladen abholt, der ist mit dem Spargel als besonders gesundes Lebensmittel immer auf der frischesten Seite. Guten Appetit!